Beschreibung der Stadtmauern und der Bauweise

Die geometrische Figur der Stadteinfassung entspricht einem beliebigen Vieleck. Der häufig geknickte Linienzug richtet sich offensichtlich nach dem Gelände, einem günstigen Baugrund und einer wirtschaftlichen Möglichkeit für die Anlage des Stadtgrabens. Dabei wurde vermutlich auf die Einhaltung einer Gesamtfläche mit einem entsprechenden Flächenanteil westlich der Langgasse gedacht. Die Fläche kann in grober Näherung als beliebiges Vieleck bezeichnet werden, dessen Seitenlänge im Norden ca. 116 Klafter (ca. 212 m), im Osten ca. 201 Klafter (ca. 368 m), im Süden ca. 243 Klafter (ca. 444 m) und im Westen ca. 264 Klafter (ca. 484 m) beträgt.
Die von der Stadteinfassung eingeschlossene Fläche beträgt ziemlich genau 40.000 Quadratklafter (ca. 13,40 ha). In grober Näherung kann daher zwischen dem theoretischen Grundrecht der Stadt (ca. 339 m x 403 m) und dem Verlauf der tatsächlichen Stadteinfassung Flächengleichheit angenommen werden.
Bei einer Umwandlung in ein flächengleiches Quadrat ergibt sich eine Seitenlänge von rund 200 Klafter (ca. 366 m). Der Auftrag könnte daher gelautet haben, eine Stadt mit einer Fläche von 200 x 200 Klafter zu bauen. Die Abweichung zwischen Ausführung und Grundrechteck ist geländebedingt.
Die Lagebeziehung der Wehrtürme zueinander ist ebenfalls durch das Grundrechteck erklärbar. So bilden z.B. Kirchturm, Obalturm und der Absteckpunkt A der Stadt (=Ausgangspunkt der Vermessung) ein rechtwinkeliges Dreieck. Weiters verläuft die Flucht vom Kirchturm über den Absteckpunkt A der Stadt durch den Südosteckturm (=Turm bei der Teufelsloch - oder Kapuzinerbastei). Diese Gerade kann somit als Abstecklinie für die Festlegung des Südosteckturmes im Gelände angesehen werden. Durch diese geometrische Beziehung zwischen den einzelnen Punkten ist auch die ehemalige Funktion des Kirchturmes als Wehrturm bewiesen.
Gemeinsam mit der Stadtmauer bildeten die Wehrtürme ein wesentliches Element der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Die Mauer ist auf der Innenseite leicht geneigt, sodass ihre dicke mit zunehmender Höhe abnimmt. In verschiedenen Höhen wurden Mauerdicken von 1,47 m und 1,31 m gemessen.
In der Renaissance wurde aufgrund der Erfindung der Artillerie eine völlige Neuordnung der alten Verteidigungsanlage nötig. Plötzlich stellten nicht mehr die hohen Stadtmauern einen ausreichenden Schutz dar, es musste ein breites Glacis vor den Mauern freigehalten werden, damit man Angreifer schon von weitem erkennen und abwehren konnte. Die Kanonen benötigten größere Freiflächen zum Rangieren und deren Erreichbarkeiten (höchstens 200 m) gab den Abstand (höchstens 400 m) und die Anzahl der Basteien vor. Auf diesen Basteien standen schließlich die Kanonen, darin oder daneben lag die Munition. Von dort aus wurde der Besetzer angegriffen. Domenico dell Allio wurde mit der Bauleitung dazu beauftragt. Die Hauptmerkmale dieser Renaissancefestung waren Bastionen, Kurtinen und ein tiefer Graben.
Bastionen befanden sich an den vorspringenden Ecken des Befestigungsvielecks und wurden durch sogenannte Kurtinen miteinander verbunden. Dieses Erd- und Mauerwerk hatte, vom tiefsten Punkt des Stadtgrabens aus gemessen, eine Höhe zwischen 10 und 14 Metern. Der Graben hatte in diesem System eine besondere Bedeutung. Er wurde verbreitert, vertieft und mit Wasser vom Prentl-Mühlgang gefüllt. Dafür war es notwendig, den Murarm, der vom Hauptbett des Flusses in den Stadtgraben floß, abzuleiten und mit Wehren zu verschlagen, um die Pfaffenbastei bei Hochwasser nicht zu unterwaschen. Das Aushubmaterial warf man vor der alten Ringmauer auf und zog dann die Renaissancemauer hoch.
Da Wall und Graben jeweils zwischen 5-7 m unter dem Niveau lagen, erreichte die Kurtine eine Höhne von ca. 10 m.
Als besonderer Nachteil erwies sich, dass der Stadtteil Vorstadt Gries mit dem ihm gegenüberliegenden, kaum befestigten Schloss Oberradkersburg nicht verbunden war (wie von Martin Stier vorgeschlagen gewesen wäre) und so zwei räumlich voneinander getrennte Wehrbereiche zu verteidigen waren. Diese Schwachstelle im Gesamtsystem wurde aus finanziellen Gründen nicht wirklich behoben.
Es gibt noch einige gut erhaltene Mauerabschnitte, wie z.B. im Bereich der Hohlen Bastei, der Hauptschule, sowie am Westrand der Stadt (zwischen Obalturm und Kirchturm).
Es ist aber anzunehmen, dass unter der Oberfläche auch heute noch Reste der Stadtmauerfundamente bestehen.