Darstellung der Stadtmauerreste und deren besondere Funktion in Vergangenheit und Gegenwart

Lag der Verwendungszweck der Festungsanlage Radkersburgs vom Mittelalter bis ins 18.Jhd. v.a. in der Verteidigung der Stadt, sowie der steirischen Grenze und dem Schutz der Landeshauptstadt Graz, wandelte sich diese Bedeutung nach der Auflassung der Festung 1773. Die Festungsgründe wurden danach der Stadt übergeben und in weiterer Folge an die Bewohner der Stadt verkauft, d.h. Teile der Mauer befanden sich nach 1773 in privatem Besitz.
In der Mitte des 19.Jhd. begann man europaweit die Befestigungsanlagen zu schleifen und die beengenden Mauern und Stadttore abzutragen, um die Erweiterung der Stadt zu ermöglichen. In der Stadt Radkersburg war zu dieser Zeit das wirtschaftliche Potential jedoch noch nicht so groß, als dass die Notwendigkeit einer Öffnung bestand. Das Expansionsbedürfnis hielt sich in Grenzen – in den Grenzen der mittelalterlichen Stadtanlage.
Nur die dem Wagenverkehr hinderlichen Stadttore mussten weichen. Demnach wurde bereits 1838 das Ungartor im Norden und um 1878 das Grazertor im Süden der Stadt geschliffen.
Die Frage der Restaurierung schadhafter Basteiabschnitte bzw. die Erhaltung eines wertvollen kulturellen Erbes stand bereits in den 20er Jahren des 20.Jhd. für die Radkersburger außer Diskussion, doch stieß die Umsetzung einer solchen Absicht auf Schwierigkeiten. Man war sich zwar einig, dass der gesamte Befestigungsring erhalten werden müsse, jedoch stand keineswegs fest, wer die daraus entstehenden Kosten zu tragen hätte, da sich ja 36 Basteiabschnitte in Privatbesitz befanden.
Aus diesem Grund wurden beispielsweise die Ausbesserungsarbeiten der Pfaffenbastei im Bereich des Obal-Gartens erst um 1950 – nun vom röm.-kath. Pfarramt in Radkersburg – in Auftrag gegeben. Das Häuschen am Obalturm ist bereits nach einem Brand abgebrochen worden.
1972 wurde ein Teil der mittelalterlichen Stadtmauer im Bereich der Bürgerbastei wieder sichtbar, musste aber einem Wohnungshausbau weichen. Für den Bau der Südtiroler Siedlung wurden 1938 die an den mittelalterlichen Wehrturm der Kapuzinerbastei grenzenden Teile der mittelalterlichen Stadtmauer abgetragen. Die Fundamente der Basteimauern der Kapuziner- und Bürgerbastei sind heute noch erhalten. Der Bereich Ungarbastei wird derzeit saniert.
Das heutige Erscheinungsbild der Stadt Bad Radkersburg wurzelt in einer wohlüberlegten Baupolitik seit den unmittelbaren Nachkriegsjahren.
Der Altstadterhaltungsgedanke bzw. Denkmalschutz- und pflegegedanke war in Radkersburg in der Zeit nach den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs wieder voll erblüht. So stand auch der Ensembleschutz des mittelalterlichen Stadtkerns, der durch den Befestigungsgürtel mit dem Stadtgraben in natürlicher Weise von den Neubauten an der Peripherie abgegrenzt wird, im Vordergrund. Die Basteien, Wälle und der Graben hatten einen besonderen Stellenwert für das Ortsbild.
Aus diesem Grund wurde im August 1968 ein Ver- und Bebauungsverbot für den Stadtgraben „zur Wahrung des Gesamtbildes“ erlassen, um den alten Festungsgürtel als Grünfläche erhalten zu können. 1991 musste das Prinzip des grünen Stadtgrabens aufgrund großer Parkplatzprobleme in der Innenstadt aufgegeben werden.
1977 wurde ein Stück der Pfaffenbastei im Bereich der Volksschule von der Stadtgemeinde selbständig renoviert. Fünf Jahre später wurden Teile der mittelalterlichen Befestigung und die Renaissancemauer bei der Bürgerbastei im Zuge des Turnsaalneubaus freigelegt, restauriert und teilweise wieder errichtet, wobei das gotische Mauerwerk in seiner gesamten Höhe durch Maueröffnungen vom Turnsaal aus sichtbar gemacht wurde.
In den weiteren Jahren konnte die Pfaffenbastei im Bereich Pfarrgarten saniert werden. Die Sanierung der Mauer im Bereich Ungarbastei ist wie bereits erwähnt derzeit in Durchführung.
Als Lohn für diese jahrelangen Bestrebungen des Ortsbild- und Denkmalschutzes wurde der Stadt Bad Radkersburg bereits 1978 als bislang einzige Stadt Österreichs die Europa-Goldmedaille für Denkmalpflege verliehen.