Vorschläge zur Entwicklung von innovativen “Lehrpfaden” für den Kulturtourismus für unterschiedliche Zielgruppen und Ideensammlung zur Inszenierung der Stadtmauern

Plätze ändern sich mit der Zeit und mit ihr auch die Bedeutung von Plätzen. Es gibt drei Phasen der historischen Analyse – Erinnerungen, historische Aufnahmen und Artefakte. Plätze haben immer weniger mit Erinnerung und Gedenken zu tun als mit einer Eintagesexkursion, sie haben immer weniger den Charakter eines Denkmals als vielmehr einer Touristenattraktion.
Die Interpretation historisch bedeutsamer Plätze wird oft als sehr unproblematisch und einfach angesehen. Es wird vorausgesetzt, dass man durch einfaches Nachforschen bzw. durch historische Daten die Vergangenheit erklären und verstehen kann. Wenn man also ausreichende Forschungen anstellt, ist der Schritt zurück in die Zukunft ganz einfach und lässt uns verstehen, wie die Welt vor hundert, fünfhundert oder tausend Jahren war. Dabei werden aber Fragen vergessen, wie: wessen Geschichte wird eigentlich erzählt oder interpretiert und von wessen Perspektive aus? Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden in der Interpretation oft als voneinander getrennte Perioden behandelt und nicht als Teil eines Kontinuums, eines fortschreitenden Prozesses von Ursachen und Wirkungen.
Man könnte so weit gehen und behaupten, dass alle historischen Momente als Teil eines größeren historischen Prozesses gesehen werden sollten, ein Prozess, der noch immer läuft. Und so erhebt sich die Frage: „Was ist mit der Zukunft?“. Damit ist nicht gemeint in hellseherischer Manier, die Zukunft vorauszusagen, sondern Interpretation der Geschichte kann auch bedeuten, alternative Szenarien der zukünftigen Entwicklung zu präsentieren. Und damit wäre auch schon ein guter Ansatzpunkt zur Bürgerbeteiligung gegeben. Das Einbeziehen der lokalen Bevölkerung in die gesamte Planung eines Erlebnisweges oder „Lehrpfades“ zeigt seine Bedeutung auf der einen Seite in der daraus resultierenden Akzeptanz des Projektes selbst und auf der anderen Seite in der Stärkung der lokalen Identifikation.
Wir wissen, dass Ausstellungen oder Erlebniswege, bei denen die Besucher auch körperlich interagieren können, effektiver Wissen vermitteln als herkömmliche „Tafel-Lehrpfade“.
Aus diesem Grund kann auch die Geschichte der „walled towns“ nicht als eine reine Auflistung von historischen Fakten und Daten erzählt werden, sondern das Hauptaugenmerk wird darauf liegen, eine lebendige Geschichte zu zeigen – eine Geschichte, die noch nicht beendet ist.
Um Besucher anzuziehen und in weiterer Folge mit der Gestaltung auch zu „überzeugen“, müssen wir zuerst wissen „Wer sind die Besucher?“, „Was erwarten sie sich?“ „Was wissen sie bereits?“ und „Was interessiert sie?“.
Weitere Frage werden sein: „Wie können diese Erwartungen erfüllt werden?“ und „Wie können diese Erwartungen mit Erwartungen anderer Zielgruppen vereint werden?“
Die Antworten auf all diese Fragen werden eine „Interpretation“ der Geschichte bzw. die Gestaltung eines Erlebnisweges zulassen, die für eine größere Besucherschaft von Bedeutung sein wird.
Dementsprechend muss die Wahl der Präsentationsmethoden auf der einen Seite abhängig von der Besucheranalyse gemacht werden, auf der anderen Seite darf nicht vergessen werden, dass die „Hardware“ nie so wichtig ist wie die „Software“, d.h. was erzählt werden soll.

Ideensammlung:
Ø Ratespiele, Schätzung („Errate das Alter der Mauer?)
Ø Versteckte Stationen; Suchspiele „Wer suchet, der findet“; „Finde einen gewissen Teil der Festung!“
Ø „Die Mauer lebt“ – die Mauer als Geschichtenerzähler (Geschichten über Kämpfe, Brände, Hochwässer,....)
Ø Stationen mit Grenzerfahrungen „Radkersburg als Grenzstadt“ (Gratwanderung, schwebende Stationen, Seilgärten,....)
Ø Entdeckung von historischen Veränderungen mittels Drehscheiben, Glasscheiben, Fernrohre,....
Ø „Was weiß ich noch“ -, “Was hab ich gelernt“ – Stationen, spielerische Überprüfung
Ø lebendige Geschichte – lebendige Zukunft
Ø Der Einzelne im Verband
Ø Der Ziegel im Mauerverband
Ø Die Mauer als Element der Stadt
Ø Die Stadt als Element der Region
Ø Verband und Kooperation bringt die Stärke und die Sicherheit einer Stadtmauer